Bericht vom Berlin Velothon 2017

von Edgar R.

20170618 14523522Am letzten Sonntag war ich mal wieder nach langen Jahren in Berlin um an dem Velethon 2017 teilzunehmen; hier dazu ein kurzer Erfahrungsbericht.

Ich habe mich für 120 Km Strecke angemeldet um mal wieder nach langer Zeit ein Rennen zu fahren. Es sollte die Berlins schnellste Stadtrundfahrt sein und WER sollte uns stoppen? Nebenbei gab es noch eine 60er und 180er Strecke.

Und dazu hatten wir beste Wettervoraussetzungen bei voller Pulle Sonne, aber auch mit teilweise giftigen Seiten- und Gegenwind auf offener Strecke. Sören war mit seiner Frau Susanne auch am Start; nur zusammenfahren war leider nicht möglich.
Wir starteten am Potsdamer Platz in Gruppen A-G, in 5 Minuten Abständen. Ich wurde in B eingeteilt und gleich nach Start ging die Post ab. Es ist schon erstaunlich mit welchem Ehrgeiz die Fahrer, auch im gesättigten Alter, die Sache rasch angingen. Ein "Einfahren" fand gar nicht statt und man vergab keine Sekunde!
Die Strecke führte Anfangs in Richtung Spandau über mehrere KM durch den Grunewald. Dort waren teilweise Zeitschleifen auf der Straße verlegt. Diese im Peloton zu erkennen, ist bei der hohen Geschwindigkeit von fast 50 Km/h recht schwierig. So kam es auch, das es hinten links von mir jemand den Lenker aus der Hand schlug, stürzte und die ganz Meute über ihn herfiel. Es knallte und schepperte und ich hörte nur wie jemand neben mir schrie "... nicht umdrehen, weiterfahren". Was soll man auch anderes tun um nicht auch noch dort hineingezogen zu werden? Es war ein fürchterlicher CRASH.

Dann ging es weiter über schnelle flache Teilstücke, die oft in Kreisverkehren mündeten. Wie bei der Tour de France, ein Wurm links, ein Wurm rechts, bis zur "Wiedervereinigung". Die Sicherheitsposten dort standen zum Teil zu nah an den Engpässen und man musste schon auf seine Nebenmänner achten, das da nicht schief läuft. Trotzdem passierte in der vorderen Gruppe wieder ein Unfall. Vier Fahrer lagen am Straßenrand und ich hörte nur im Vorbeifahren etwas vom Schulterblattbruch. Spätestes dort war mein persönliches Ziel einen bestmöglichen Schnitt herauszufahren (wollte ja Martin toppen B)) nicht weiter wichtig, als dass ich meine Knochen und mein Bike ramponiere. Wenig später kam ich an einer weiteren Unfallstelle vorbei und es war bestimmt nicht der Letzte.
In Höhe Ludwigsfelde, nach ca. 60 Km, wurde es bei einer Kehre von fast 150° verdammt eng. Nach fast Stillstand ging es nun zurück in Richtung Berlin in einem Riesenpeloton :) von mehreren hundert Fahrern – was für ein super Bild ! :)
Die Strecke führte dann auf eine autobahnähnliche Straße mit einigen Steigungen, die man erst gar nicht war genommen hat, und wir waren dort teilweise einen scharfen Seiten- und Gegenwind ausgesetzt. Das Peloton zerriss in viele kleine Gruppen und man merkte, dass sich bei einigen die ersten Körner auflösten. Da wir auch noch hohe Temperaturen unterwegs bis zu 30° hatten, musste man auch auf seinen Wasserhaushalt achten. Eine Verpflegungsstelle war wohl eingerichtet, die wohl niemand angefahren hätte, da ALLE wirklich voll auf Druck fuhren. Auf der offenen Teilautobahn nahm die Geschwindigkeit bis auf 30 Km/h ab …?, dass selbst ich vorn die Pace anzog. Und da waren sie - all die Lutscher hinter meinen segelgroßen Körper; selbst meinen Schlangenlinien wurde gefolgt. :angry:
Gott sei Dank kam dann ein Stück mit Gefälle und die Post ging weiterhin ab bis zur Umleitung auf den schönen alten Flughafen Tempelhof. Das war eine tolle Einlage, entlang der alten Hanger noch aus Zeiten der Berliner Luftbrücke. Zurück auf die Straße in Richtung Kreuzberg, vorbei an der "East Siede Gallery", voller Graffitis über die west- und ostberliner Geschichte.
Zu guter letzt ging es durch die Straßen von "Ost-Berlin" am "Alex" vorbei. Und dann sah ich sie - die "Siegessäule" und nahm vollen Kurs durch den Tiergarten auf die Ziellinie Richtung "Brandenburger Tor".

Am Ende fuhr ich die 116 Km mit einem 36er Schnitt - kam aber ohne Schrammen und Stürze zurück ins Ziel wo es dann literweise Erdinger Alkoholfrei gab.
Insgesamt waren ca. 12.000 Teilnehmer dort, wovon der Älteste 80 Jahre war- Helm ab !!! Das Publikum an der Strecke war recht übersichtlich; allerdings im Zielbereich war der Teufel los !!!
Es war für mich eine gelungene Veranstaltung in dieser tollen Stadt. Nun habe ich auch dieses in meiner Vita abgehakt; auf zum nächsten Ziel !

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